Ausdehnungsgefäß prüfen

Kurz gesagt

Ein Ausdehnungsgefäß fängt die Volumenänderung des Heizungswassers ab. Schwankt der Druck stark zwischen kalt und warm oder tropft das Sicherheitsventil, ist es oft defekt oder hat zu wenig Vordruck. Du kannst Symptome beobachten; Messen und Nachfüllen des Vordrucks macht der Fachbetrieb.

Das Ausdehnungsgefäß heißt auch Membran-Ausdehnungsgefäß, kurz MAG. Meist ist es ein roter, grauer oder weißer runder Behälter. Es hängt an der Wand neben der Heizung oder ist im Gerät verbaut. Innen trennt eine Gummimembran das Heizungswasser von einem Gaspolster, meist Stickstoff. Wird das Wasser warm, dehnt es sich aus und drückt gegen das Gaspolster. So bleibt der Anlagendruck halbwegs stabil.

Funktioniert das Gefäß nicht mehr richtig, merkst du das vor allem am Druck. Viele Probleme, die wie ein Leck aussehen, haben hier ihre Ursache.

Wie das Ausdehnungsgefäß arbeitet

Heizungswasser dehnt sich beim Erwärmen um einige Prozent aus. In einer geschlossenen Anlage kann es nicht einfach wegfließen. Ohne Ausdehnungsgefäß würde der Druck beim Aufheizen stark steigen. Das Sicherheitsventil würde öffnen und Wasser ablassen. Beim Abkühlen fehlt dieses Wasser dann, und der Druck fällt.

Das Gaspolster im Gefäß wirkt wie ein Puffer. Damit das klappt, braucht es den richtigen Vordruck. Mit den Jahren verliert das Gefäß langsam Gas. Der Vordruck sinkt, und der Puffer wird kleiner. Außerdem kann die Membran altern oder reißen.

Typische Anzeichen für ein Problem

  • Starke Druckschwankungen: Kalt z. B. 1,0 bar, warm plötzlich 2,5 bar oder mehr.
  • Sicherheitsventil tropft oder spuckt beim Aufheizen, meist bei 2,5 oder 3 bar Ansprechdruck. Siehe auch Überdruckventil tropft.
  • Druck fällt im kalten Zustand immer weiter ab, weil Wasser über das Sicherheitsventil verloren gegangen ist.
  • Häufiges Nachfüllen nötig, ohne dass ein Leck sichtbar ist.
  • Luft im System, weil bei zu niedrigem Druck an hohen Stellen Unterdruck entstehen kann.
  • Fehlercodes zum Wasserdruck an der Therme, die immer wiederkommen.

Was du selbst prüfen kannst

  1. Druck kalt und warm vergleichen. Lies morgens bei kalter Anlage ab, dann nach einer Stunde Heizbetrieb. Ein Anstieg um wenige Zehntel bar ist normal. Steigt der Druck um mehr als etwa 0,5–1 bar, ist das ein Hinweis auf ein zu kleines oder defektes Gefäß. Das ist ein Richtwert und hängt von der Anlage ab. Wie du richtig abliest, zeigt Manometer ablesen.
  2. Sicherheitsventil beobachten. Ist der Ablaufschlauch oder Trichter nass? Gibt es Kalk- oder Wasserspuren darunter?
  3. Klopftest nur als Anhaltspunkt. Manche klopfen auf das Gefäß. Oben hohl, unten dumpf gilt als gut. Das ist aber kein zuverlässiger Test.
  4. Ventil am Gefäß nicht betätigen. Oben oder unten sitzt ein Ventil wie beim Fahrradreifen. Tritt dort beim leichten Andrücken Wasser statt Luft aus, ist die Membran vermutlich gerissen. Drück aber nicht länger darauf und lass ansonsten die Finger davon. Du veränderst sonst den Vordruck.
  5. Kappenventil prüfen. Viele Gefäße haben eine Kappenabsperrung. Die muss im Betrieb offen sein. Ist sie mit Plombe oder Draht gesichert, nicht verändern.
  6. Werte notieren. Schreib eine Woche lang Druck kalt und warm auf. Mit dieser Liste kann der Fachbetrieb viel anfangen.

Warum du den Vordruck nicht selbst einstellst

Für eine korrekte Messung muss das Gefäß wasserseitig abgesperrt und entleert werden. Der richtige Vordruck hängt von der Anlagenhöhe und dem Fülldruck ab und wird berechnet. Ein falscher Vordruck verschlechtert das Problem. Außerdem ist das Gefäß Teil der Sicherheitseinrichtung.

Laut Herstellerangaben sollte das Ausdehnungsgefäß regelmäßig, in der Regel jährlich bei der Wartung, geprüft werden (vgl. DIN EN 12828 bzw. Herstelleranleitungen). Frag bei der nächsten Wartung ruhig nach, ob das gemacht wurde. Mehr zur Wartung unter Wie oft Therme warten.

Folgen, wenn du nichts tust

Ein defektes Ausdehnungsgefäß führt nicht sofort zum Ausfall. Die Folgen kommen schleichend. Du füllst immer wieder frisches Wasser nach. Damit gelangen Sauerstoff und Kalk ins System. Das fördert Korrosion und Ablagerungen im Wärmetauscher. Hintergründe dazu unter Heizungswasser nach VDI 2035.

Außerdem öffnet das Sicherheitsventil ständig. Dabei setzt sich oft Schmutz im Ventilsitz fest, und es wird undicht. Die Therme meldet dann immer öfter Druckfehler oder schaltet ab.

Wann der Fachmann ran muss

  • Das Sicherheitsventil tropft beim Aufheizen.
  • Du musst öfter als ein- bis zweimal pro Heizperiode nachfüllen. Siehe Heizungsdruck fällt ständig.
  • Am Gefäßventil tritt Wasser aus.
  • Das Gefäß ist außen stark verrostet.

Der Fachbetrieb sperrt das Gefäß ab, misst den Vordruck und korrigiert ihn. Ist die Membran gerissen oder das Gefäß zu klein, tauscht er es.

Kosten (Richtwerte)

  • Vordruck prüfen und korrigieren bei der Wartung: meist im Wartungspreis enthalten oder ca. 30–80 € extra.
  • Tausch eines externen Gefäßes (Einfamilienhaus): ca. 150–400 € inkl. Material.
  • Tausch eines im Gerät verbauten Gefäßes: je nach Modell ca. 250–600 €.

Mehr Details im Ratgeber Kosten Ausdehnungsgefäß tauschen.

Kurz zusammengefasst

Starke Druckschwankungen zwischen kalt und warm und ein tropfendes Sicherheitsventil sind die typischen Zeichen. Du kannst beobachten und Werte notieren. Vordruck messen und einstellen macht der Fachbetrieb, am besten bei der jährlichen Wartung.

Redaktion Heizungsretter · Stand: · Angaben ohne Gewähr.