Reparieren oder neue Heizung? So entscheidest du

Kurz gesagt

Als Faustregel lohnt sich eine Reparatur, wenn die Heizung jünger als etwa 15 Jahre ist und die Reparatur deutlich unter einem Viertel bis einem Drittel eines Neugeräts liegt. Bei älteren Anlagen mit teuren Schäden ist ein Tausch oft sinnvoller. Seit Ende Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz, das den Gaskessel-Tausch flexibler regelt.

Die Therme ist kaputt, der Techniker nennt eine Summe – und jetzt? Ob du reparieren oder tauschen solltest, hängt von einigen wenigen Fragen ab. Nimm dir Zeit, solange die Heizung nicht akut ausgefallen ist.

Die wichtigsten Entscheidungsfragen

  1. Wie alt ist die Anlage? Gasthermen halten oft 15 bis 20 Jahre, gut gewartete auch länger.
  2. Was kostet die Reparatur? Kleine Teile (Elektrode, Sensor) sind fast immer die Reparatur wert. Wärmetauscher oder Platine an einem alten Gerät eher nicht.
  3. Gibt es noch Ersatzteile? Bei älteren Modellen werden Teile knapp und teuer.
  4. Wie oft war die Heizung zuletzt defekt? Häufen sich Störungen, ist das ein Signal.
  5. Wie hoch ist der Verbrauch? Alte Kessel ohne Brennwerttechnik verbrauchen deutlich mehr.
  6. Welche Pläne hast du? Verkauf, Sanierung, Photovoltaik – das beeinflusst die Wahl.

Faustregel mit Zahlen

Grobe Richtwerte zur Orientierung:

Situation Tendenz
Therme < 10 Jahre, Reparatur < 800 € Reparieren
Therme 10–15 Jahre, Reparatur < 1.000 € meist reparieren, Tausch planen
Therme > 15 Jahre, Reparatur > 1.000 € Tausch ernsthaft prüfen
Wiederholte teure Defekte Tausch prüfen

Eine neue Gas-Brennwerttherme kostet inklusive Montage als Richtwert oft 7.000 bis 12.000 €, eine Wärmepumpe im Bestand grob 20.000 bis 40.000 € vor Förderung.

Rechtslage 2026 kurz erklärt

Seit dem 29. Juli 2026 gilt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG), das das bisherige Gebäudeenergiegesetz ablöst. Wichtige Punkte nach aktuellen Berichten:

  • Reparieren ist immer erlaubt. Funktionierende Öl- und Gasheizungen dürfen weiterlaufen.
  • Die bisherige 65-Prozent-Regel für neue Heizungen entfällt in der alten Form.
  • Neue Gas- oder Ölheizungen müssen künftig steigende Anteile klimaneutraler Brennstoffe nutzen („Biotreppe“, z. B. 10 % ab 2029, 15 % ab 2030, 30 % ab 2035, 60 % ab 2040).
  • Das pauschale Betriebsverbot fossiler Heizungen Ende 2044 wurde gestrichen; Ziel bleibt Klimaneutralität bis 2045.

Das ist eine allgemeine Information und keine Rechts- oder Energieberatung. Lass dich vor einer Entscheidung von einem Energieberater oder Fachbetrieb beraten.

Förderung mitdenken

Wer von einer fossilen Heizung auf eine erneuerbare wechselt, kann KfW-Zuschüsse bekommen (siehe „Förderung Heizungstausch 2026“). Für einen reinen Gaskessel-Tausch gibt es in der Regel keine Heizungsförderung. Förderanträge müssen vor Auftragsvergabe gestellt werden – ein Notfall-Tausch ohne Antrag verschenkt Geld.

Tipp: Plan B vorbereiten

Ist deine Therme schon älter, hol dir jetzt in Ruhe Angebote für einen Tausch ein – auch wenn sie noch läuft. Dann musst du im Winter nicht unter Zeitdruck entscheiden. Manche Betriebe bieten Übergangslösungen wie Leih- oder Mietheizungen an.

Was du selbst tun kannst

  1. Alter und Typenschild notieren (ohne Verkleidung zu öffnen, oft sichtbar oder in den Unterlagen).
  2. Reparaturhistorie sammeln.
  3. Gas- und Stromverbrauch der letzten Jahre heraussuchen.
  4. Zwei bis drei Angebote vergleichen.

Rechenbeispiel

Deine Gastherme ist 17 Jahre alt. Der Primärwärmetauscher ist undicht, die Reparatur kostet rund 1.500 €. In den letzten zwei Jahren gab es schon zwei weitere Reparaturen. Hier spricht viel für einen Tausch. Die nächste Störung ist wahrscheinlich, und Ersatzteile werden teurer.

Anders sieht es aus, wenn eine acht Jahre alte Therme eine neue Elektrode für 150 € braucht. Das ist ein normales Verschleißteil. Die Reparatur lohnt sich fast immer.

Mehr zur Lebensdauer liest du im Ratgeber Wie alt darf eine Therme werden.

Typische Reparaturkosten zur Orientierung

Nicht vergessen: Folgekosten

Beim Vergleich zählt nicht nur der Preis heute. Bedenke auch den Energieverbrauch der nächsten Jahre, die Wartungskosten und mögliche Förderungen. Ein neues Gerät kann Anpassungen an Abgasweg, Hydraulik oder Elektrik nötig machen. Frag danach, bevor du unterschreibst.

Wann der Fachmann ran muss

Für die Diagnose und eine ehrliche Einschätzung brauchst du einen Fachbetrieb. Bei sicherheitsrelevanten Mängeln – etwa Abgasaustritt – darf die Anlage bis zur Behebung nicht weiterlaufen.

Kurz zusammengefasst

Bei jungen Anlagen und günstigen Teilen lohnt fast immer die Reparatur. Bei alten Anlagen mit teuren Schäden oder häufigen Defekten solltest du einen Tausch ernsthaft prüfen. Hol Angebote in Ruhe ein, denk an Förderanträge vor Auftragsvergabe und lass dich zur aktuellen Rechtslage beraten.

Redaktion Heizungsretter · Stand: · Angaben ohne Gewähr.