Brennwert vs. Heizwert – der Unterschied einfach erklärt

Kurz gesagt

Der Heizwert beschreibt die Wärme aus der Verbrennung ohne die Energie im Wasserdampf, der Brennwert schließt sie ein. Brennwertgeräte kühlen die Abgase so weit ab, dass der Dampf kondensiert, und gewinnen so zusätzliche Wärme. Das klappt nur mit niedrigen Rücklauftemperaturen.

Wer eine neue Heizung vergleicht, stößt auf Begriffe wie Brennwerttechnik, Heizwertkessel oder Wirkungsgrade von „über 100 %“. Das klingt nach Zauberei – ist aber nur eine Frage der Bezugsgröße.

Heizwert und Brennwert

Beim Verbrennen von Erdgas oder Heizöl entsteht neben CO₂ auch Wasserdampf. Dieser Dampf enthält Energie (Verdampfungswärme).

  • Heizwert (Hi, früher Hu): Die nutzbare Wärme, wenn der Wasserdampf mit dem Abgas entweicht.
  • Brennwert (Hs, früher Ho): Die Wärme inklusive der Energie, die frei wird, wenn der Dampf wieder zu Wasser kondensiert.

Bei Erdgas liegt der Brennwert etwa 10–11 % über dem Heizwert, bei Heizöl etwa 6 %.

Warum „über 100 % Wirkungsgrad“?

Früher wurden Wirkungsgrade auf den Heizwert bezogen. Ein Brennwertgerät nutzt aber zusätzlich die Kondensationswärme. Bezogen auf den Heizwert ergeben sich dann rechnerisch Werte wie 105–109 %. Physikalisch geht natürlich nichts verloren oder entsteht neu – nur die Referenz ist anders. Heute wird zunehmend auf den Brennwert bezogen.

Voraussetzung: niedrige Rücklauftemperatur

Wasserdampf aus Erdgasabgasen kondensiert erst unterhalb von etwa 55–57 °C (Taupunkt). Das zurückfließende Heizungswasser muss also kühler sein, damit der Wärmetauscher die Abgase unter diesen Punkt abkühlen kann.

Deshalb:

  • Fußbodenheizung und große Heizkörper sind ideal.
  • Heizkurve möglichst niedrig einstellen.
  • Hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass das Wasser in den Heizkörpern ausreichend abkühlt.
  • Überströmventile oder falsch eingestellte Pumpen können den Rücklauf unnötig warm halten.

Ein Brennwertgerät mit dauerhaft 70 °C Rücklauf arbeitet kaum besser als ein alter Heizwertkessel.

Was bedeutet das praktisch?

  • Kondenswasser: Brennwertthermen produzieren Kondensat, das über Siphon und Ablauf abgeleitet werden muss. Ein Problem dort führt zu Störungen (siehe „Siphon der Brennwerttherme“).
  • Abgasrohr aus Kunststoff: Die Abgase sind kühl und feucht; deshalb sind feuchteunempfindliche Abgasleitungen nötig. Alte gemauerte Schornsteine müssen meist saniert oder mit einem Rohr ausgekleidet werden.
  • Weiße Dampffahne am Dach ist normal.

Brennwert bei Öl, Gas und Wärmepumpe

Gas: Bei Erdgas ist der Gewinn durch Brennwerttechnik am größten, weil das Abgas viel Wasserdampf enthält. Deshalb sind Gas-Brennwertthermen seit Jahren Standard.

Öl: Auch Öl-Brennwertkessel gibt es. Der zusätzliche Gewinn ist kleiner, weil Heizöl weniger Wasserstoff enthält und der Taupunkt der Abgase niedriger liegt. Das Kondensat ist zudem saurer. Je nach Anlage und örtlichen Vorgaben kann eine Neutralisation nötig sein.

Wärmepumpe: Hier spielt der Begriff keine Rolle, weil nichts verbrannt wird. Die Effizienz beschreibt man mit COP und Jahresarbeitszahl. Mehr dazu im Ratgeber JAZ und COP.

So erkennst du, ob deine Therme im Brennwertbereich läuft

Ein einfacher Hinweis ist das Kondensat. Läuft in der Heizperiode regelmäßig Wasser aus dem Kondensatschlauch in den Abfluss, kondensiert die Therme. Läuft kaum etwas, sind Vorlauf und Rücklauf vermutlich zu warm.

Einen genaueren Blick liefert die Anzeige der Temperaturen. Viele Geräte zeigen Vorlauf- und teils auch Rücklauftemperatur im Info-Menü. Liegt der Rücklauf an kalten Tagen dauerhaft deutlich über dem Taupunkt, verschenkst du Energie.

Was du selbst tun kannst

  1. Vorlauftemperatur prüfen: Wie hoch läuft deine Anlage im Winter? Oft geht es niedriger.
  2. Heizkurve schrittweise absenken (siehe „Heizkurve einstellen“).
  3. Thermostatventile nicht ständig auf 5 und dann zu – gleichmäßiger Betrieb ist effizienter.
  4. Nach einem hydraulischen Abgleich fragen, falls einzelne Räume nicht warm werden.

Typische Irrtümer

„Brennwert heißt automatisch sparsam.“ Nur, wenn die Anlage passend eingestellt ist. Ein Brennwertgerät an zu kleinen Heizkörpern mit hoher Vorlauftemperatur nutzt seinen Vorteil kaum.

„Die Dampffahne ist ein Defekt.“ Nein. Sie zeigt nur, dass die Abgase feucht und kühl sind.

„Kondensat ist ein Leck.“ Kondensat ist gewollt. Wasser, das außen am Gerät oder aus dem Überdruckventil kommt, ist dagegen ein Warnsignal. Mehr dazu im Ratgeber Wasser unter der Therme.

Wann der Fachmann ran muss

  • Deine Therme erzeugt kaum Kondensat im Winter – dann läuft sie vermutlich zu heiß.
  • Du planst einen Kesseltausch oder eine Schornsteinsanierung.
  • Die Anlage braucht einen hydraulischen Abgleich.

Richtwerte: Optimierung der Regelung ca. 60–150 €; hydraulischer Abgleich im Einfamilienhaus ca. 500–1.500 €, je nach Umfang.

Häufige Frage

Lohnt sich der Tausch eines alten Heizwertkessels? Oft ja, aber nicht nur wegen der Brennwerttechnik. Heute spielen auch die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes und die Frage nach einer Wärmepumpe eine Rolle. Lass dich beraten, bevor du entscheidest.

Kurz zusammengefasst

Der Brennwert enthält die Wärme im Wasserdampf, der Heizwert nicht. Brennwertgeräte holen diese Wärme zurück, wenn der Rücklauf kühl genug ist. Niedrige Vorlauftemperaturen, große Heizflächen und ein hydraulischer Abgleich machen den Unterschied. Achte auf regelmäßiges Kondensat und lass die Einstellung im Zweifel vom Fachbetrieb optimieren.

Redaktion Heizungsretter · Stand: · Angaben ohne Gewähr.