Wärmepumpe: EVU-Sperrzeiten und § 14a EnWG
Kurz gesagt
Bei vergünstigten Wärmepumpentarifen darf der Netzbetreiber die Anlage zeitweise sperren oder drosseln. Bei älteren Verträgen sind das klassische Sperrzeiten, bei Anlagen nach § 14a EnWG (seit 2024) nur eine Drosselung auf mindestens 4,2 kW. Im Display erscheint dann oft 'EVU-Sperre' – das ist keine Störung. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.
Wenn deine Wärmepumpe plötzlich „EVU“, „EVU-Sperre“, „Netzbetreibersperre“ oder ein Stecker-Symbol mit Schloss zeigt, ist meist nichts kaputt. Der Energieversorger bzw. Netzbetreiber hat die Anlage gesperrt oder gedrosselt, wie es dein Tarif vorsieht.
Warum gibt es Sperrzeiten?
Wärmepumpen verbrauchen viel Strom, oft gleichzeitig zu Spitzenzeiten. Um das Netz zu entlasten, bekommen Betreiber einen günstigeren Wärmepumpentarif oder reduzierte Netzentgelte – im Gegenzug darf der Netzbetreiber steuernd eingreifen.
Alte Regelung: klassische Sperrzeiten
Bei vielen Anlagen, die vor 2024 in Betrieb gingen, gilt:
- Sperren bis zu drei Mal täglich für jeweils bis zu zwei Stunden (typisch; der genaue Rahmen steht im Vertrag bzw. in den technischen Anschlussbedingungen).
- Zwischen zwei Sperren muss eine Mindestlaufzeit liegen.
- Die Steuerung erfolgt per Rundsteuerempfänger oder Zeitschaltuhr am Zählerplatz, die einen Kontakt an der Wärmepumpe schaltet.
Für solche Bestandsanlagen gibt es Übergangsregeln; ob und wann dein Vertrag umgestellt wird, erfährst du bei deinem Netzbetreiber.
Neue Regelung: § 14a EnWG (seit 1. Januar 2024)
Für neu angeschlossene steuerbare Verbrauchseinrichtungen (Wärmepumpen, Wallboxen, Speicher über 4,2 kW) gilt:
- Der Netzbetreiber darf die Leistung nur bei drohender Netzüberlastung reduzieren.
- Eine Mindestleistung von 4,2 kW muss dabei immer verfügbar bleiben – eine vollständige Abschaltung ist nicht mehr vorgesehen.
- Im Gegenzug gibt es reduzierte Netzentgelte (verschiedene Module, z. B. Pauschale oder prozentuale Reduzierung, teils zeitvariabel).
- Die Steuerung soll zunehmend über ein Smart-Meter-Gateway mit Steuerbox erfolgen.
Die Details (Module, Umsetzungsfristen, technische Anschlussbedingungen) werden laufend angepasst. Prüfe den aktuellen Stand bei deinem Netzbetreiber. Das ist keine Rechtsberatung.
Was passiert während einer Sperre?
- Der Verdichter schaltet ab oder läuft gedrosselt.
- Der Heizstab ist bei klassischer Sperre meist ebenfalls gesperrt.
- Umwälzpumpen und Regelung laufen oft weiter.
- Ein gut ausgelegtes Haus – besonders mit Fußbodenheizung und Pufferspeicher – kühlt in zwei Stunden kaum merklich ab.
Was du selbst prüfen kannst
- Display-Meldung mit der Anleitung abgleichen: Ist es wirklich die EVU-Sperre?
- Uhrzeit notieren: Tritt die Sperre regelmäßig zu festen Zeiten auf?
- Rundsteuerempfänger im Zählerschrank: Manche haben LEDs, die eine aktive Sperre anzeigen. Nur ansehen, nichts öffnen.
- Sperre dauert ungewöhnlich lang (viele Stunden)? Dann Netzbetreiber kontaktieren.
- Nach Stromausfall: Manche Anlagen bleiben in der Sperre, weil der Kontakt falsch steht.
Was du nicht tun solltest
- Keine Brücken oder Kontakte an der Wärmepumpe oder im Zählerschrank verändern. Das ist Vertragsbruch und elektrisch gefährlich.
- Keine Plomben öffnen.
So erkennst du die Sperre am Gerät
Je nach Hersteller sieht die Anzeige unterschiedlich aus. Typisch sind:
- Text wie „EVU“, „EVU-Sperre“ oder „Sperrzeit“.
- Ein Symbol mit Stecker, Blitz oder Schloss.
- Eine Statusmeldung statt eines Fehlercodes.
Bei Viessmann-Anlagen hilft Vitocal EVU-Sperre, bei Stiebel Eltron WPM EVU-Sperre.
Pufferspeicher und Einstellungen
Damit Sperrzeiten nicht stören, helfen:
- ein Pufferspeicher, der Wärme vorhält,
- eine Fußbodenheizung, die als Speicher wirkt,
- eine passende Heizkurve, siehe Heizkurve einstellen,
- ein Zeitprogramm für Warmwasser außerhalb typischer Sperrzeiten.
Manche Regelungen können bekannte Sperrzeiten berücksichtigen und vorher etwas mehr heizen. Frag deinen Fachbetrieb, ob das bei dir möglich ist.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Wärmepumpentarif trotz Sperre? Oft ja, weil der Strompreis oder die Netzentgelte niedriger sind. Vergleiche die Angebote genau.
Wird Warmwasser während der Sperre kalt? Der Speicher hält das Wasser warm. Nur Nachheizen ist in der Sperre meist nicht möglich.
Muss ich die Sperre melden? Nein, sie ist gewollt. Melden solltest du nur eine ungewöhnlich lange oder dauerhafte Sperre.
Wann der Fachmann ran muss
- Die Anlage steht dauerhaft auf EVU-Sperre, auch außerhalb der üblichen Zeiten.
- Die Wärmepumpe läuft nach der Sperre nicht wieder an.
- Du vermutest einen falsch angeschlossenen Steuerkontakt.
Ansprechpartner sind je nach Ursache dein Elektrofachbetrieb, der Heizungsbauer oder der Netzbetreiber. Richtwert Fehlersuche Elektro: ca. 80–200 €.
Wer ist zuständig?
Bei Fragen zu Sperrzeiten, Tarif und Steuerbox ist der Netzbetreiber der richtige Ansprechpartner. Er steht meist auf der Stromrechnung. Für Einstellungen an der Wärmepumpe ist der Heizungsbauer zuständig. Für Zählerschrank und Verdrahtung ein Elektrofachbetrieb.
Kurz zusammengefasst
- EVU-Sperre ist meist keine Störung, sondern Teil des Tarifs.
- Alte Verträge: zeitweise Abschaltung. Neue Anlagen nach § 14a EnWG: Drosselung, Mindestleistung bleibt.
- Bei Dauer-Sperre Sicherungen prüfen und den Netzbetreiber fragen.
- Finger weg von Kontakten, Brücken und Plomben.
Redaktion Heizungsretter · Stand: · Angaben ohne Gewähr.