Heizkurve einstellen

Kurz gesagt

Die Heizkurve legt fest, wie warm das Heizungswasser bei welcher Außentemperatur wird. Du stellst sie über Neigung (Steilheit) und Niveau (Parallelverschiebung) ein. Ändere immer nur einen Wert in kleinen Schritten und warte ein bis zwei Tage, bevor du nachjustierst.

Fast alle modernen Heizungen arbeiten witterungsgeführt: Ein Außenfühler misst die Temperatur, und die Regelung berechnet daraus die nötige Vorlauftemperatur. Den Zusammenhang beschreibt die Heizkurve. Ist sie zu hoch, verschenkst du Energie; ist sie zu niedrig, wird es nicht warm.

Die zwei Stellschrauben

  • Neigung (Steilheit): Wie stark die Vorlauftemperatur steigt, wenn es draußen kälter wird. Bei Fußbodenheizung und gut gedämmten Häusern meist niedrig (z. B. 0,3–0,8), bei Heizkörpern in älteren Häusern höher (z. B. 1,0–1,6). Die Skalen unterscheiden sich je nach Hersteller.
  • Niveau (Parallelverschiebung, Fußpunkt): Verschiebt die ganze Kurve nach oben oder unten – bei allen Außentemperaturen gleich.

Bei einigen Geräten stellst du stattdessen die Raumsolltemperatur ein; das wirkt ähnlich wie eine Niveauverschiebung.

Ein Beispiel

Angenommen, bei 0 °C draußen braucht dein Haus 45 °C Vorlauf. Bei 10 °C reichen vielleicht 35 °C. Die Heizkurve verbindet solche Punkte. Eine steilere Kurve bedeutet: Bei Kälte steigt der Vorlauf schneller. Eine Parallelverschiebung hebt alle Werte gleichmäßig an oder senkt sie. Die Zahlen hier sind nur ein Beispiel. Die richtige Kurve hängt von Dämmung, Heizflächen und deinem Wärmebedarf ab.

So findest du die Einstellung

Das Menü heißt je nach Marke z. B. „Heizkurve“, „Heizkennlinie“ oder „Heizungseinstellungen“. Oft ist es für den Betreiber freigegeben; teilweise nur im Fachmann-Menü. Schau in der Bedienungsanleitung nach. Notiere dir vor jeder Änderung die alten Werte.

Schritt für Schritt optimieren

  1. Thermostatventile in den Hauptwohnräumen voll öffnen (bzw. auf Stufe 3–4), damit die Heizkurve überhaupt wirken kann.
  2. Beobachten:
    • Bei milder Witterung (ca. 5–15 °C) zu warm oder zu kalt → eher das Niveau anpassen.
    • Bei Frost zu kalt, bei mildem Wetter passend → die Neigung leicht erhöhen.
    • Bei Frost zu warm, bei mildem Wetter passend → Neigung leicht senken.
  3. Kleine Schritte: Neigung z. B. um 0,1–0,2, Niveau um 1–2 K ändern.
  4. Geduld: 24–48 Stunden warten, bevor du erneut veränderst. Gebäude reagieren träge.
  5. Wiederholen, bis alle Räume bei offenen Ventilen angenehm sind.

Ein Einstellprotokoll führen

Leg dir eine einfache Tabelle an. Trag jedes Mal ein: Datum, Außentemperatur, Neigung, Niveau und wie warm es in den wichtigsten Räumen war. So siehst du nach einigen Wochen, welche Einstellung passt. Und du kannst jederzeit zu einer früheren Einstellung zurück. Das hilft auch dem Fachbetrieb, falls du später Unterstützung brauchst. Der beste Zeitraum zum Einstellen ist die Übergangszeit im Herbst. Dann erlebst du mildes und kaltes Wetter kurz nacheinander.

Worauf du achten solltest

  • Warmwasser ist nicht betroffen – die Speicherladung hat eigene Einstellungen.
  • Wärmepumpen profitieren besonders von einer niedrigen Heizkurve: Jedes Grad weniger Vorlauf verbessert die Effizienz spürbar (Faustregel: ca. 2–3 % pro Kelvin).
  • Nachtabsenkung: In gut gedämmten Häusern und bei Wärmepumpen bringt sie oft wenig; bei alten Häusern mit Gasheizung kann sie sinnvoll sein.
  • Ist ein Raum dauerhaft zu kalt, während andere zu warm sind, hilft die Heizkurve allein nicht – dann fehlt oft ein hydraulischer Abgleich.

Anzeichen für eine falsche Heizkurve

  • Heizung taktet häufig: Der Brenner geht ständig an und aus. Oft ist die Kurve zu hoch. Siehe Therme taktet ständig.
  • Thermostatventile stehen fast zu und die Räume sind trotzdem warm: Die Kurve ist vermutlich zu hoch.
  • Morgens kalt, abends zu warm: Prüfe Zeitprogramm und Absenkung, nicht nur die Kurve.
  • Nur bei starkem Frost zu kalt: Neigung leicht erhöhen.

Was du nicht tun solltest

  • Keine Werte im Fachmann-Menü ändern, deren Bedeutung du nicht kennst (Maximaltemperaturen, Pumpenkennlinien, Brennerleistung).
  • Nicht die Kurve extrem absenken, wenn Legionellenschutz oder Frostschutz an die Vorlauftemperatur gekoppelt sind.

Wann der Fachmann ran muss

  • Du findest die Einstellung nicht oder sie ist gesperrt.
  • Trotz Anpassungen gibt es große Temperaturunterschiede zwischen Räumen.
  • Der Außenfühler scheint falsche Werte zu liefern (z. B. in der Sonne montiert oder defekt).

Richtwert: Einstellung der Regelung im Rahmen der Wartung oft inklusive, sonst ca. 60–150 €. Ein hydraulischer Abgleich kostet deutlich mehr (siehe eigener Ratgeber).

Kurz zusammengefasst

Die Heizkurve bestimmt, wie warm das Heizungswasser bei welcher Außentemperatur wird. Notiere die alten Werte, ändere in kleinen Schritten und warte jeweils ein bis zwei Tage. Bei mildem Wetter passt du das Niveau an, bei Frost die Neigung. Eine gut eingestellte Kurve spart Energie und sorgt für gleichmäßige Wärme.

Redaktion Heizungsretter · Stand: · Angaben ohne Gewähr.