JAZ und COP bei Wärmepumpen verständlich erklärt

Kurz gesagt

Der COP ist eine Momentaufnahme unter Prüfbedingungen, die Jahresarbeitszahl (JAZ) zeigt die reale Effizienz über ein ganzes Jahr. Eine JAZ von 3 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 3 kWh Wärme. Für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Bestand gelten Werte ab etwa 3 als gut, Erdwärmepumpen erreichen oft 4 und mehr.

Wer eine Wärmepumpe hat oder plant, begegnet vielen Kennzahlen. Die wichtigste für deinen Geldbeutel ist die Jahresarbeitszahl (JAZ). Die anderen helfen beim Vergleichen von Geräten.

COP – Leistungszahl

Der COP (Coefficient of Performance) gibt an, wie viel Wärme eine Wärmepumpe in einem bestimmten Betriebspunkt aus einer Einheit Strom erzeugt. Beispiel: A2/W35, COP 4,2 heißt: Bei 2 °C Außenluft und 35 °C Vorlauf liefert die Wärmepumpe das 4,2-Fache der eingesetzten elektrischen Leistung als Wärme.

Wichtig: Der COP gilt nur für diesen Prüfpunkt. Bei –7 °C und 55 °C Vorlauf ist er deutlich niedriger.

SCOP – saisonale Leistungszahl

Der SCOP (Seasonal COP) ist ein genormter, rechnerischer Jahreswert für ein Referenzklima (nach EN 14825). Er ist gut zum Vergleichen von Geräten, spiegelt aber nicht dein Haus wider.

JAZ – Jahresarbeitszahl

Die JAZ ist das Verhältnis aus erzeugter Wärme pro Jahr und verbrauchtem Strom pro Jahr – gemessen an deiner realen Anlage. Sie berücksichtigt dein Klima, deine Heizkurve, Warmwasser, Abtauen, Heizstab und Pumpen (je nach Messgrenze).

Faustwerte (Richtwerte):

  • Luft-Wasser-Wärmepumpe: ca. 2,8–4,0; im gut gedämmten Neubau auch mehr.
  • Sole-Wasser (Erdwärme): ca. 3,8–5,0.
  • Wasser-Wasser: oft ähnlich oder höher, abhängig von der Brunnenpumpe.

Feldtests (z. B. des Fraunhofer ISE) haben gezeigt, dass Luft-Wärmepumpen auch in Bestandsgebäuden vielfach JAZ um 3 und darüber erreichen.

So ermittelst du deine JAZ

  1. Wärmemenge ablesen: Viele Wärmepumpen zeigen im Menü „Energiebilanz“, „Wärmemenge“ oder „Statistik“ die erzeugte Wärme. Genauer ist ein separater Wärmemengenzähler.
  2. Stromverbrauch ablesen: Idealerweise über einen separaten Wärmepumpen-Zähler. Interne Anzeigen sind oft Schätzungen.
  3. Über 12 Monate teilen: Wärme (kWh) ÷ Strom (kWh) = JAZ.
  4. Heizstab und Warmwasser möglichst mit einrechnen, sonst ist der Wert geschönt.

Was die JAZ verbessert

  • Niedrige Vorlauftemperatur – die Heizkurve so niedrig wie möglich (jedes Grad weniger bringt grob 2–3 %).
  • Hydraulischer Abgleich und möglichst offene Heizkreise statt vieler geschlossener Ventile.
  • Wenig Takten: Richtig dimensionierte Anlage, keine zu kleinen Puffer-/Mindestvolumen.
  • Heizstab nur im Notfall – Bivalenzpunkt und Freigaben prüfen lassen.
  • Warmwassertemperatur moderat (z. B. 48–50 °C) mit Legionellenschaltung nach Bedarf.
  • Außengerät frei und sauber halten.

Rechenbeispiel

Angenommen, deine Wärmepumpe hat in einem Jahr 12.000 kWh Wärme erzeugt. Der Wärmepumpen-Zähler zeigt für denselben Zeitraum 3.750 kWh Strom. Dann gilt: 12.000 ÷ 3.750 = 3,2. Deine JAZ liegt bei 3,2. Aus jeder Kilowattstunde Strom sind also im Schnitt 3,2 Kilowattstunden Wärme geworden.

Was das in Euro bedeutet, hängt vom Strompreis ab. Mit einem Wärmepumpentarif ist Strom oft günstiger als Haushaltsstrom. Eine höhere JAZ senkt die Kosten direkt. Steigt sie etwa von 2,8 auf 3,2, brauchst du für dieselbe Wärme rund ein Achtel weniger Strom.

Typische Fehler beim Vergleichen

  • COP mit JAZ vergleichen. Der COP aus dem Datenblatt ist ein Laborwert. Deine reale JAZ liegt fast immer darunter.
  • Nur die Heizperiode betrachten. Die JAZ gilt für ein ganzes Jahr. Im Sommer, wenn nur Warmwasser bereitet wird, ist die Effizienz niedriger.
  • Interne Anzeigen blind vertrauen. Manche Geräte schätzen Strom oder Wärme nur. Ein geeichter Zähler ist genauer.
  • Unterschiedliche Messgrenzen. Ist der Heizstab oder die Umwälzpumpe eingerechnet oder nicht? Vergleiche nur Werte mit gleicher Abgrenzung.

Warum die JAZ im Winter sinkt

Je kälter die Außenluft und je höher die Vorlauftemperatur, desto mehr muss der Verdichter arbeiten. Dazu kommt das Abtauen der Außeneinheit bei feuchter Kälte. Das ist normal. Kritisch wird es erst, wenn der Heizstab dauerhaft mitläuft. Hinweise dazu findest du unter Wärmepumpe: hoher Stromverbrauch und Wärmepumpe läuft dauernd.

Wann der Fachmann ran muss

  • Deine JAZ liegt dauerhaft unter etwa 2,5 bei einer Luft-Wärmepumpe.
  • Der Heizstab läuft häufig.
  • Die Anlage taktet stark (viele Starts pro Stunde).

Richtwerte: Optimierung der Einstellungen ca. 100–300 €; Nachrüstung eines Wärmemengenzählers ca. 200–500 €.

Kurz zusammengefasst

Der COP beschreibt einen einzelnen Prüfpunkt, der SCOP einen genormten Jahreswert für ein Referenzklima. Aussagekräftig für dein Haus ist die JAZ: erzeugte Wärme geteilt durch verbrauchten Strom über zwölf Monate. Miss sie mit eigenen Zählern und rechne Heizstab und Warmwasser mit ein. Eine niedrige Vorlauftemperatur, ein hydraulischer Abgleich und wenig Takten verbessern den Wert. Liegt er dauerhaft deutlich unter den Richtwerten, lass die Einstellungen vom Fachbetrieb prüfen.

Redaktion Heizungsretter · Stand: · Angaben ohne Gewähr.