Warmwassertemperatur und Legionellenschutz

Kurz gesagt

Für Warmwasserspeicher gilt als Faustregel: dauerhaft etwa 60 °C am Speicheraustritt, mindestens aber nicht dauerhaft unter 50–55 °C. Viele Regelungen haben eine Legionellenschaltung, die den Speicher regelmäßig auf 60–70 °C aufheizt. Durchlauferhitzer und kleine Anlagen sind unkritischer. Dieser Text ist keine Rechtsberatung.

Legionellen sind Bakterien, die sich in warmem Wasser zwischen etwa 25 und 50 °C besonders gut vermehren. Gefährlich werden sie, wenn belastetes Wasser als feiner Nebel eingeatmet wird – etwa beim Duschen. Wer die Warmwassertemperatur zum Energiesparen stark senkt, sollte das Thema kennen.

Welche Temperatur ist sinnvoll?

Die technischen Regeln (vor allem das DVGW-Arbeitsblatt W 551) orientieren sich an folgenden Werten:

  • Speicheraustritt ca. 60 °C bei größeren Anlagen.
  • Die Rücklauftemperatur der Zirkulation soll nicht mehr als 5 K darunter liegen (also ca. 55 °C).
  • Bei Kleinanlagen – typischerweise Ein- und Zweifamilienhäuser – gilt die Empfehlung, 50 °C nicht dauerhaft zu unterschreiten; 60 °C am Speicher sind hygienisch auf der sicheren Seite.

Für vermietete Gebäude mit Großanlage (Speicher über 400 Liter oder mehr als 3 Liter Leitungsinhalt zwischen Speicher und Zapfstelle) schreibt die Trinkwasserverordnung eine regelmäßige Untersuchung auf Legionellen vor, sofern Duschen vorhanden sind. Details können sich ändern – im Zweifel beim Gesundheitsamt oder Fachbetrieb nachfragen. Das ist keine Rechtsberatung.

Was macht die Legionellenschaltung?

Viele Regelungen haben eine Funktion namens „Legionellenschutz“, „thermische Desinfektion“ oder „Anti-Legionellen“. Sie heizt den Speicher z. B. einmal pro Woche auf 60–70 °C auf. Bei Wärmepumpen übernimmt das oft ein Heizstab, weil die Wärmepumpe allein diese Temperatur nicht effizient erreicht.

Wichtig: Diese Aufheizung wirkt nur im Speicher. Leitungen und Zirkulation werden nur mitdesinfiziert, wenn die Zirkulationspumpe dabei läuft.

Energiesparen ohne Risiko

  • Nicht unter ca. 50 °C dauerhaft absenken, wenn du einen Speicher hast.
  • Zirkulationspumpe mit Zeitprogramm statt Dauerlauf – spart viel Energie.
  • Legionellenschaltung aktiv lassen, wenn du die Temperatur unter 60 °C einstellst; die Häufigkeit (z. B. wöchentlich) nach Anleitung wählen.
  • Nach längerer Abwesenheit Leitungen spülen: alle Wasserhähne und Duschen einige Minuten laufen lassen, Duschkopf dabei nicht direkt ins Gesicht.
  • Wenig genutzte Leitungen (Gästebad) regelmäßig spülen.

Verbrühungsgefahr beachten

Bei 60 °C und mehr besteht Verbrühungsgefahr, vor allem für Kinder und ältere Menschen. Abhilfe schafft ein thermostatischer Mischer am Speicherausgang oder an den Armaturen. Den Einbau übernimmt der Installateur.

Durchlauferhitzer und Frischwasserstationen

Wird Wasser im Durchfluss erwärmt (elektrischer Durchlauferhitzer, Kombitherme, Frischwasserstation), steht kaum warmes Wasser lange herum. Hier sind niedrigere Temperaturen hygienisch meist unkritisch.

Was du selbst prüfen kannst

  1. Warmwasser-Solltemperatur im Menü ablesen.
  2. Prüfen, ob eine Legionellenfunktion aktiv ist und wann sie läuft.
  3. Mit einem Thermometer am nächstgelegenen Hahn messen (nach etwa 30 Sekunden Laufzeit).
  4. Zeitprogramm der Zirkulationspumpe prüfen.

Besonderheit bei Wärmepumpen

Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei niedrigen Temperaturen. Warmwasser mit 60 °C ist für viele Geräte anstrengend. Oft übernimmt dann der Heizstab die letzten Grade. Das kostet Strom. Deshalb stellen viele Besitzer niedrigere Temperaturen ein, etwa um 50 °C, und lassen die Legionellenschaltung regelmäßig laufen. Wie oft das sinnvoll ist, hängt von Anlage, Speichergröße und Nutzung ab. Stimme das mit dem Fachbetrieb ab. Mehr zum Verbrauch unter Hoher Stromverbrauch der Wärmepumpe.

Warnsignale im Alltag

  • Das Warmwasser ist deutlich kühler als eingestellt.
  • Das Wasser riecht muffig oder ist trüb.
  • Leitungen werden lange nicht genutzt, etwa im Ferienhaus oder Gästebad.
  • Nach einer Abwesenheit kommt das Wasser lange kalt oder lauwarm.

Kommt das Wasser generell nur lauwarm, hilft Warmwasser nur lauwarm.

Wann der Fachmann ran muss

  • Die eingestellte Temperatur wird nicht erreicht.
  • Du bist Vermieter einer Großanlage und unsicher bei Prüfpflichten.
  • Ein Legionellenbefund liegt vor – dann sind oft Spülungen, Desinfektion und technische Änderungen nötig.

Richtwerte: Einbau eines thermostatischen Mischers ca. 150–400 €; Legionellenprüfung durch ein Labor inkl. Probenahme bei Großanlagen oft ca. 100–250 € pro Termin, je nach Anzahl der Proben.

Häufige Fragen

Muss ich im Einfamilienhaus auf Legionellen prüfen lassen? Eine Prüfpflicht betrifft vor allem Großanlagen in vermieteten Gebäuden. Im Einfamilienhaus reicht meist eine sinnvolle Temperatur und regelmäßige Nutzung.

Kann ich die Legionellenschaltung abschalten? Das ist möglich, aber nur sinnvoll, wenn der Speicher dauerhaft warm genug ist. Frag im Zweifel den Fachbetrieb.

Was der Fachbetrieb tun kann

Er prüft Speicher, Zirkulation und Temperaturen. Bei Bedarf stellt er Legionellenschaltung und Zirkulationspumpe passend ein oder baut einen Mischer ein.

Kurz zusammengefasst

  • Legionellen vermehren sich vor allem zwischen etwa 25 und 50 °C.
  • Speicher nicht dauerhaft unter etwa 50 °C betreiben, 60 °C gilt als sicher.
  • Legionellenschaltung aktiv lassen, wenn du niedriger einstellst.
  • Wenig genutzte Leitungen regelmäßig spülen, Verbrühungsschutz beachten.

Redaktion Heizungsretter · Stand: · Angaben ohne Gewähr.